Das Meer der Zeit
Diamant
Wärst Du ein Diamant, so wär ich Dein Ring
Wärst Du die Königin, dann wär ich der King
Wärst Du ein Seidenkleid, wär ich Deine Schleife
Und wärst Du ein Waschbrett nur, ich wär Deine Seife
Wenn Du Anemone wärst, dann wär ich Dein Fisch
Und wenn Du ein Frühstück wärst, wär ich Dein Tisch
Wenn Du nun ein Proppen wärst, wär ich Deine Wonne
Und wärst Du ein Schirmchen nur, wär ich Deine Sonne
Wenn Du jemals traurig bist, dann will ich Dich drücken
Willst Du lieber fröhlich sein, will ich Dich entzücken
Wenn jemals Dir Schönheit fehlt, dann bring ich Dir Rosen
Ich liebe Dich inniglich, in Rock und in Hosen.
Erwachen
Still beobachtend den aufkommenden Morgen,
Deine Haut noch in silbernes Mondlicht getaucht.
Den Tag erwartend, den ersten Sonnenstrahl,
den Dein Lächeln 1000-fach reflektiert.
wunderbare Welt
Leise werd‘ ich Deinen Atem hören
Wenn still der Nachtwind schweigt
Unendlich Glück berühret mich,
Wenn sich Dein Blick mir zeigt.
So wie ein Königreich, ein See, ein Strand,
Die Lichtung unterm Himmelszelt,
Bist Du für mich seit ich Dich fand
Die ganze wunderbare Welt
Sanfte Regen
Sanfte regen werden kommen und all des Frühlings Pracht – Hat den Atem aufgenommen, plötzlich über Nacht
schillernd bunt in allen Farben bringt es uns zurück – Was der Winter fortgenommen trübte unser Glück
Doch selbst leichtem Sturme hält die Pracht nicht Stand – Fliegt gemischt mit Unrat über Stadt und Land
Sanfte Regen werden kommen prickelnd bunte Pracht – Ist nach kurzer Dauer Dunkel wie die Nacht
Was den starken Baum, so gelassen lässt – hält mit seinen Wurzeln, in der tiefe fest
trutzet Sturm und Kälte, bildet einen Wald – Lebt ein langes Leben und wird glücklich alt
Du bist…
Du bist so schön
Kein Wort könnt je beschreiben
Wie sehr Du mich berührt
Bei keiner anderen
Kann ich je wieder bleiben
Bin vollkommen verführt
Treibt auch die Zeit mich um
Macht alles neu
Malt Strichmänchen auf die Vergangenheit
Ach – soll’t ich Kohlen graben,
Zu den Mönchen gteh’n
Mein Sinn will immer nur
Dich Wiedersehen
Du bist so schön.
Endeckungen
wo nur verbirgt sich der Sonnenschein
wenn ich wart‘ auf Dein kommen
wo verstecket sich die Zartheit denn
bist Du mir mal genommen
wenn Du mich mich berührst, stehen Zeit und Raum
Dein Mund, Deine Lippen, wie ein zärtlicher Traum
Dein Atmen so warm, so wunderbar
als wehte ein sanfter Wind durch Mein Haar
Einschnitte
So wie ein Windhauch wild ein Blatt bewegt
das in der Stille dann sich auf ein andres legt
so hast Du einst mein Herz berührt
da mich der Wind zu Dir geführt
und über Jahr und Tag aus 1000 Fäden feinster Seide
gesponnen zart von Herz und Hand so fein
entstand das Netz aus Liebe die veband uns beide
durchdrang uns und fing unsre Seelen ein
Es ist so leicht, ein kleiner Schnitt, ein zweiter
noch ein paar mehr ganz langsam, immer weiter
macht frei zu spinnen einem andern zu
läßt hinter sich ein Netz zurück
wie off’ne Schuh
Transzendente Gedanken
All meine Gedanken tragen Deinen Namen,
sie riechen nach Dir und haben Dein Gesicht.
Du bist die Luft die ich atme
und der Geist, der mein Innerstes berührt.
Die 1000 Puzzleteile meines Lebens
sind durch Dich zu einem Bild geworden.
Das Sein und das Nichts
1000-fach kursiert die These, dass der Mensch (also jeder Mensch) EINE Bestimmung hat, und daher, insofern – und nur dann – wenn er diese Bestimmung lebt, sozusagen „On Mission“ ist, ja dass er dann und nur dann wirklich glücklich, gesund oder was auch immer sein kann.Meine Überzeugung ist (also bisher jedenfalls), dass es sowas wie Bestimmung nicht gibt. Die Begründung dafür ergibt sich meines Erachtens daraus, dass das „Sein an sich“, also das momentane Erleben der Gegenwart, immer nur „unbestimmt“ ist und sein kann, da ja das, was die mich umgebenden Menschen a. nicht ohne Einfluss auf mein eigenes Leben und Erleben ist und b. vom Willen und Geschick der anderen Menschen – also nicht von mir – gelenkt und getrieben wird. Demzufolge wäre „nach einer Bestimmung leben“ definitiv nicht identisch mit „Sein“. Da das „Sein“ also das momentane Erleben der Gegenwart ist, welches sich dem „stetigen Wandel der Wirlichkeit“ niemals entziehen kann, wäre die „Bestimmung“ des „Werdens“ auf ein ganz bestimmte, vorgegebene Weise durch EINEN Menschen nur so zu verstehen, dass dieser die Gesamtheit der Schöpfung in Händen hält. Das dies jedoch unmöglich ist erschließt sich auch dem Dümmsten spätestens daraus, dass kein Zweiter diese Eigenschaft des Schöpferischen haben können und somit die Schöpfung auf ein einziges Individuum – den Schöpfer zurückfällt.Ich glaube darin auch einen findamentalen Widerspruch zum Konstruktivismus erkannt zu haben; während von Glasersfeld *² und seine Anhänger glauben, die Unmöglichkeit des Realismus durch das offenkundige Fehlen der Objektivität bewiesen zu haben, fanden sie eigentlich lediglich heraus, dass Wahrnehmung subjektiv ist und die Realität nur in imaginären Facetten von etwas abweicht, was es erklärtermaßen ja eben gerade gar nicht gibt, einem Hirngespinst, der objektiven Wahrnehmung.
Nachdem also die Sache mit der Objektivität geklärt haben, ist der Realismus plötzlich wieder greifbar. Er ist nun zwar subjektiv – weshalb wir ihn bloß nicht gleich „Subjektivismus“ nennen sollten – aber er ist uns auf eine Weise real, die das genüssliche Trinken eine Glases mit frischem Wasser nicht gleich mit dem Fluch des sich nahenden Wahnsinn belegt, ich mir das alles nur einbilde und das Glas – geschweige denn das Wasser – eigentlich oder in Wirklichkeit gar nicht da ist.
Nochmal Sartre: „Der Mensch ist nicht, was er ist und er ist was er nicht ist“
* (vergl. Sartre, Das Sein und das Nichts; „an sich sein“ vers. „für sich sein“)
*² von Glasersfeld, Einführung in den radikalen Konstruktivismus


